Mit wenig Überraschung nahmen die Kamp-Lintforter Bürger die Meldung zur Kenntnis, daß sich der Bahnanschluß in der Nähe der Stadtmitte verzögert.
Im Juli 2025 wurde der bereits schon einmal vor der LAGA 2020 vorgestellte, und anschließend wieder schlafen gelegte, Plan wieder aus der Schublade geholt. Der Bürgermeister war bereits während der Zweitvorstellung beim Bürgerforum im Sommer mit eineigen skeptischen Fragen der unmittelbaren Anwohner konfrontiert worden.
Unbeschrankte Bahnübergänge im Naherholungsgebiet, Lärmbelästigung, fragliche Anschlußverbindungen zum Busbetrieb oder einfach unklarer Service wie Fahrkartenverkauf, Imbißmöglichkeit oder Toiletten ließen das Projekt in trübem Licht erscheinen.
Stets an der Seite von Christoph Landscheidt standen Vertreter von Bahn und Baugesellschaft, die sich nicht den geringsten Zweifel am ehrgeizigen Projekt anmerken ließen. Angekündigt wurde mutig die Inbetriebnahme zum Ende des Jahres 2026. An Fertigstellung und Termin glauben wollte das im Publikum bereits damals kaum jemand.
Bis Anfang 2026 fanden sich dann auch keinerlei sichtbare Hinweise auf bevorstehende Arbeiten am inzwischen niedergetrampelten "Südbahnhof" (Google), von wo aus das Gleis um mehr als einen Kilometer verlängert werden soll.
Dafür mußte die Stadtverwaltung im Februar verkünden, daß die Niederrheinbahn GmbH mitgeteilt hätte, die "ursprünglich für Dezember 2026 angedachte Inbetriebnahme kann nicht eingehalten werden." Viele Gründe hatte man für diese, nun nicht überraschende, Feststellung erwartet. Aber jetzt, fünf Jahre nach gelaufenem Probebetrieb während der Laga, zu begründen, daß an einigen Bestandsbrücken umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind, ist doch unerwartet. Waren die Bauwerke vor sechs Jahren so viel besser in Schuß? Oder hat man seither auf entsprechende Untersuchungen verzichtet?
Es wird René Zweigel zitiert: "Leider haben sich bei Betonkernbohrungen Mängel an der Grundstruktur gezeigt, die vorher nicht sichtbar waren." Weiter berichtet der Niederrheinbahn-Geschäftsführer: "Im Jahr 2025 wurden an Bestandsbrücken bauliche Defizite in den Widerlagern festgestellt, die über bislang bekannte Schäden hinaus gehen." Auf Folgen für den Kostenplan wird nicht eingegangen.
Da die genannten Brücken sich nicht im Bereich des Laga-Geländes befinden, wäre es bei ernsthaftem Bauvorsatz vielleicht sinnvoll, zwischenzeitlich den Ausbau der Strecke von Satdmitte bis zur Kattenstraße zu beginnen. Nach Wiederherrichtung des dortigen Anschlußpunktes und Reparatur der genannten Brücken wäre dann kurzfristig die Verknüpfung von Laga-Trasse mit der Zuführung von Moers vorstellbar. Ob ein derartiges Vorgehen angedacht ist, bleibt zunächst unbekannt.
Es erfolgt vorsorglich der Hinweis auf voraussichtlicher Bauarbeiten auf der Verbindung zwischen Moers und Oberhausen im Jahr 2027, wodurch ebenfalls der Betriebsstart beeinflußt werden kann.
"Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als zuständiger Aufgabenträger prüft derzeit in Absprache mit der DB Infra GO die Auswirkungen auf das zukünftige Betriebskonzept. Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht abschließend bewertet werden, ob der Betrieb der Linie RE44 im Jahr 2027 durchgehend möglich sein wird." ist vorbeugend auf der Web-Site Kamp-Lintfort zu lesen.
